„Wir lähmen uns derzeit selbst“
Katharina Schulze fordert Bürokratieabbau zur Entlastung sozialer Einrichtungen
20.01.2026
Bayerisch Gmain (fb) – Über die aktuelle Situation der Einrichtung Hohenfried in Bayerisch Gmain informierte sich Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, bei einem Besuch vor Ort. Davon berichtet der Kreisverband der Grünen in einer Presseaussendung. Begrüßt wurde Schulze demnach von Bartl Wimmer, Landratskandidat für das Berchtesgadener Land, der ihr im Namen aller Anwesenden für ihr Interesse und ihr persönliches Engagement dankte.
Georg Jewgrafow, Beiratsmitglied von Hohenfried, hob die Bedeutung der Einrichtung seit 75 Jahren für Menschen mit Unterstützungsbedarf hervor. Vom Kindes- bis ins hohe Alter biete Hohenfried ein Umfeld, das ganzheitliche, inklusive Arbeit ermögliche und Stabilität, Würde sowie individuelle Förderung in den Vordergrund stelle.
Die Vielfalt der Angebote in Hohenfried zeige sich in den zahlreichen Werkstätten und Arbeitsbereichen. Sie schaffen sinnvolle Arbeitsmöglichkeiten, fördern Selbstwirksamkeit und ermöglichen Teilhabe in einem geschützten, zugleich realitätsnahen Umfeld, heißt es im Bericht.
Größter Arbeitgeber in Bayerisch Gmain
Bartl Wimmer hob hervor, dass Hohenfried derzeit der größte Arbeitgeber in Bayerisch Gmain sei und zugleich eine der größten Einrichtungen dieser Art in der gesamten Region. Die Belegung und Qualität der Angebote hingen jedoch maßgeblich von der Verfügbarkeit fachkundigen Personals ab. Die Gewinnung spezialisierter Fachkräfte sei nur möglich, wenn gleichzeitig Mitarbeiterwohnungen angeboten werden könnten – ein entscheidender Faktor angesichts der angespannten Wohnungsmarktlage und des zusätzlichen Drucks durch den nahen Wohnungsmarkt Salzburgs.
Deutlich benannt wurden laut Mitteilung die enormen Herausforderungen durch den hohen Bürokratieaufwand. Genehmigungs- und Zuschussverfahren dauerten häufig Jahre, was notwendige Entwicklungen erheblich verzögere. „Hier braucht es dringend pragmatische Lösungen und mehr Vertrauen in die Verantwortung der Einrichtungen“, wird Wimmer im Bericht zitiert.
Über die Situation von Hohenfried hinaus richtete Wimmer den Blick auf die strukturellen Herausforderungen der Pflegeinfrastruktur: In der Region fehle es an stationären Pflegeplätzen, während die geburtenstarken Jahrgänge erst noch in ein pflegebedürftiges Alter kämen. Zuständigkeiten seien oft unklar, politische Verantwortung werde zu häufig vertagt. Ein früheres, vorausschauendes und entschlosseneres Handeln könne hohe Folgekosten vermeiden.
Katharina Schulze ordnete die Eindrücke in einen größeren politischen Kontext ein. Angesichts einer schwächelnden Wirtschaft spürten viele Menschen, dass sich die Lage zuspitze. Der soziale Betreuungs- und Versorgungsbereich müsse stärker wahrgenommen werden. Umso deutlicher werde, dass die Prioritätensetzung der Bayerischen Staatsregierung diesem Stellenwert bislang nicht ausreichend Rechnung trage. Insbesondere in den Bereichen Soziales und Kultur sei es in den vergangenen Jahren zu Einschränkungen und Kürzungen gekommen, die die Arbeit vor Ort zusätzlich erschwerten.
Schulze: „Mehr Mut zur Lücke“
Schulze betonte, dass eine echte Entbürokratisierung dringend notwendig sei. „Wir lähmen uns derzeit selbst“, so die Fraktionsvorsitzende. Eine verbreitete Misstrauenskultur verhindere pragmatische Lösungen. Es brauche mehr Mut zur Lücke, mehr Vertrauen in Fachlichkeit und mehr Gestaltungsfreiheit vor Ort.
Ein zentraler Punkt ihres Beitrags war zudem die Inklusion. Politisch werde häufig der Eindruck vermittelt, Inklusion sei erst dann vollständig erreicht, wenn alle Menschen mit Beeinträchtigung zu 100 Prozent regulär in die Arbeits- und Lebenswelt integriert seien. Schulze widersprach dieser verkürzten Sichtweise: Viele Menschen benötigten bewusst geschützte Räume, um sich entfalten zu können. Einrichtungen wie Hohenfried seien deshalb kein Gegenmodell zur Inklusion, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer vielfältigen, menschlichen Gesellschaft.
Bei einem Rundgang über das Gelände sammelte Katharina Schulze zahlreiche Eindrücke, besichtigte die Werkstätten und kam mit Mitarbeitenden und Angehörigen ins Gespräch. „Der Besuch unterstrich eindrucksvoll, wie wichtig verlässliche politische Rahmenbedingungen für soziale Einrichtungen sind – und wie notwendig eine Politik ist, die zuhört, unterstützt und Verantwortung übernimmt“, heißt es abschließend im Bericht. – red
Bayerisch Gmain (fb) – Katharina Schulze war zu Besuch in Hohenfried in Bayerisch Gmain. Sie ist die Vorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag. Der Kreisverband der Grünen hat darüber in einer Mitteilung berichtet.
Am Anfang wurde sie begrüßt von Bartl Wimmer. Er ist Landrats-Kandidat im Berchtesgadener Land. Er sagte: Danke für Ihr Interesse und Ihren Einsatz.
Georg Jewgrafow ist im Beirat von Hohenfried. Er sagte: Hohenfried ist seit 75 Jahren sehr wichtig. Hohenfried unterstützt Menschen, die Hilfe brauchen. Das gilt für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen. In Hohenfried sollen Menschen in Würde leben können. Und sie sollen individuell gefördert werden.
In Hohenfried gibt es viele Angebote. Zum Beispiel Werkstätten und verschiedene Arbeitsbereiche. Dort können Menschen sinnvoll arbeiten. Sie können etwas lernen und mitmachen. Das alles passiert in einem geschützten Rahmen. Aber es ist trotzdem nah am echten Arbeitsleben.
Bartl Wimmer sagte: Hohenfried ist im Moment der größte Arbeitgeber in Bayerisch Gmain. Und Hohenfried ist eine der größten Einrichtungen dieser Art in der Region. Aber es gibt ein Problem: Es fehlen Fachkräfte. Also gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist schwer, neue Fachkräfte zu finden. Ein Grund ist: Es gibt zu wenig bezahlbare Wohnungen. Darum wären Mitarbeiter-Wohnungen wichtig. Auch Salzburg ist nah. Dort sind Wohnungen oft teuer. Das macht es noch schwieriger.
In dem Bericht steht: Soziale Einrichtungen haben sehr viel Papier-Arbeit. Zum Beispiel bei Genehmigungen und bei Fördergeldern. Oft dauert das mehrere Jahre. Dadurch können wichtige Projekte erst viel später starten. Bartl Wimmer sagte dazu: Es braucht praktische Lösungen. Und die Behörden sollen den Einrichtungen mehr vertrauen.
Wimmer sprach auch über Pflege in der Region: Es gibt zu wenig Pflegeplätze in Heimen. Gleichzeitig werden in Zukunft mehr Menschen pflegebedürftig. Oft ist nicht klar, wer zuständig ist. Und Entscheidungen werden zu oft verschoben. Frühes und gutes Planen kann später viel Geld und Probleme sparen.
Katharina Schulze sagte: Weniger Bürokratie ist dringend nötig. „Wir lähmen uns gerade selbst“, sagte sie. Zu viel Misstrauen verhindert schnelle Lösungen. Sie wünscht sich: mehr Vertrauen in Fachleute. Und mehr Freiheit für die Arbeit vor Ort.
Schulze sprach auch über Inklusion. Manche sagen: Inklusion ist erst erreicht, wenn alle Menschen mit Behinderung zu 100 Prozent überall „normal“ mitmachen. Schulze sagt: Das ist zu einfach gedacht. Manche Menschen brauchen geschützte Orte. Damit sie sich sicher fühlen und gut entwickeln können. Hohenfried ist deshalb kein Gegenteil von Inklusion. Hohenfried ist ein wichtiger Teil einer vielfältigen Gesellschaft.
Katharina Schulze machte einen Rundgang. Sie besuchte die Werkstätten. Sie sprach mit Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Angehörigen. Am Ende heißt es im Bericht: Soziale Einrichtungen brauchen verlässliche politische Unterstützung. Politik soll zuhören, helfen und Verantwortung übernehmen.


