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Soziale Einrichtungen brauchen Entbürokratisierung

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze zu Besuch in der Einrichtung Hohenfried

17.01.2026

Bayerisch Gmain (fb) – Im Rahmen eines Besuchs in der Einrichtung Hohenfried informierte sich Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag, vor Ort über die aktuelle Situation der sozialen Einrichtung. Begrüßt wurde sie von Bartl Wimmer, Landratskandidat für das Berchtesgadener Land, der ihr im Namen aller Anwesenden für ihr Interesse und ihr persönliches Engagement dankte.

Georg Jewgrafow, Beiratsmitglied von Hohenfried, hob in seinen einleitenden Worten hervor, wie wichtig die Einrichtung seit 75 Jahren für Menschen mit Unterstützungsbedarf ist. Vom Kindesalter bis ins hohe Alter bietet Hohenfried ein Umfeld, das ganzheitliche, inklusive Arbeit ermöglicht und Stabilität, Würde sowie individuelle Förderung in den Vordergrund stellt.

Die Vielfalt der Angebote in Hohenfried zeigt sich in den zahlreichen Werkstätten und Arbeitsbereichen – vom landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung über den Hofladen und die Lebensmittelveredelung bis hin zu weiteren Beschäftigungs- und Qualifizierungsangeboten. Sie schaffen sinnvolle Arbeitsmöglichkeiten, fördern Selbstwirksamkeit und ermöglichen Teilhabe in einem geschützten, zugleich realitätsnahen Umfeld.

Bartl Wimmer hob hervor, dass Hohenfried derzeit der größte Arbeitgeber in Bayerisch Gmain sei und zugleich eine der größten Einrichtungen dieser Art in der gesamten Region. Die Belegung und Qualität der Angebote hängen jedoch maßgeblich von der Verfügbarkeit fachkundigen Personals ab. Die Gewinnung spezialisierter Fachkräfte sei nur möglich, wenn gleichzeitig Mitarbeiterwohnungen angeboten werden könnten – ein entscheidender Faktor angesichts der angespannten Wohnungs- und Drucksituation durch den nahen Wohnungsmarkt Salzburgs. Dafür seien gezielte Investitionen unerlässlich.

Deutlich benannt wurden zudem die enormen Herausforderungen durch den hohen Bürokratieaufwand. Genehmigungs- und Zuschussverfahren dauerten häufig Jahre, was notwendige Entwicklungen erheblich verzögere. „Hier braucht es dringend pragmatische Lösungen und mehr Vertrauen in die Verantwortung der Einrichtungen“, so Wimmer.

Über die Situation von Hohenfried hinaus richtete Wimmer den Blick auf die strukturellen Herausforderungen der Pflegeinfrastruktur: In der Region fehle es an stationären Pflegeplätzen, während die geburtenstarken Jahrgänge erst noch in ein pflegebedürftiges Alter kämen. Zuständigkeiten seien oft unklar, politische Verantwortung werde zu häufig vertagt. Ein früheres, vorausschauendes und entschlosseneres Handeln könne hohe Folgekosten vermeiden. Wimmer plädierte eindringlich für Mut zur Entscheidung, für gesunden Menschenverstand und gegen eine vollständige Verrechtlichung und Überkomplexität behördlicher Prozesse.

Katharina Schulze ordnete die Eindrücke in einen größeren politischen Kontext ein. Angesichts einer schwächelnden Wirtschaft spürten viele Menschen, dass sich die Lage zuspitze. Der soziale Bereich werde zunehmend als wichtiger und stabiler Arbeits- und Versorgungsbereich wahrgenommen. Umso deutlicher werde, dass die Prioritätensetzung der Bayerischen Staatsregierung diesem Stellenwert bislang nicht ausreichend Rechnung trage. Insbesondere in den Bereichen Soziales und Kultur sei es in den vergangenen Jahren zu Einschränkungen und Kürzungen gekommen, die die Arbeit vor Ort zusätzlich erschweren.

Schulze betonte, dass eine echte Entbürokratisierung dringend notwendig sei: „Wir lähmen uns derzeit selbst“, so die Fraktionsvorsitzende. Eine verbreitete Angstkultur verhindere pragmatische Lösungen. Es brauche mehr Mut zur Lücke, mehr Vertrauen in Fachlichkeit und mehr Gestaltungsfreiheit vor Ort.

Ein zentraler Punkt ihres Beitrags war zudem die Inklusion. Politisch werde häufig der Eindruck vermittelt, Inklusion sei erst dann vollständig erreicht, wenn alle Menschen mit Beeinträchtigung zu 100 Prozent in die reguläre Arbeits- und Lebenswelt integriert seien. Schulze widersprach dieser verkürzten Sichtweise: Viele Menschen benötigten bewusst geschützte Räume, um sich entfalten zu können. Einrichtungen wie Hohenfried seien deshalb kein Gegenmodell zur Inklusion, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer vielfältigen, menschlichen Gesellschaft.

Im Anschluss an das Gespräch fand ein ausführlicher Rundgang über das Gelände von Hohenfried statt. Dabei sammelte Katharina Schulze zahlreiche Eindrücke, besichtigte die Werkstätten und kam mit Mitarbeitenden sowie mit Eltern von Kindern, die in Hohenfried leben, ins Gespräch. Der Besuch unterstrich eindrucksvoll, wie wichtig verlässliche politische Rahmenbedingungen für soziale Einrichtungen sind – und wie notwendig eine Politik ist, die zuhört, unterstützt und Verantwortung übernimmt.

Bildunterschrift:
Besuch in Hohenfried (v.l.): Wolfgang Ehrenlechner (Grünen-Kreisvorsitzender), MdL Katharina Schulze, Bartl Wimmer (Vorstand Hohenfried e.V. und Landratskandidat), Georg Jewgrafow (Beirat Hohenfried), Ulrike Schweiger (Grünen-Kreisvorsitzende), Michael Sturm, Priska Prechtl, Joachim Jost (Gemeinderat in Bayerisch Gmain), Gisela Jewgrafow (Förderverein Hohenfried) und Marit Kennett. (Foto: privat)

Bayerisch Gmain (fb)

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, war zu Besuch in der Einrichtung Hohenfried. Sie wollte sich vor Ort informieren, wie es der Einrichtung geht und welche Probleme es aktuell gibt. Begrüßt wurde sie von Bartl Wimmer. Er dankte ihr für ihr Interesse und ihren Einsatz.

Georg Jewgrafow aus dem Beirat von Hohenfried erklärte, wie wichtig Hohenfried seit 75 Jahren ist. Viele Menschen mit Unterstützungsbedarf bekommen dort Hilfe und Begleitung – vom Kindesalter bis ins hohe Alter. In Hohenfried geht es darum, dass Menschen gut leben können, sich sicher fühlen und individuell gefördert werden.

Hohenfried bietet viele Arbeits- und Beschäftigungsbereiche an: zum Beispiel Werkstätten, Landwirtschaft mit Tieren, einen Hofladen und die Verarbeitung von Lebensmitteln. Diese Angebote geben Menschen sinnvolle Aufgaben. Sie erleben dabei, dass sie etwas können und wichtig sind. So wird Teilhabe möglich – in einem geschützten Umfeld, das trotzdem nah am Alltag ist.

Bartl Wimmer sagte: Hohenfried ist aktuell der größte Arbeitgeber in Bayerisch Gmain und eine sehr große Einrichtung in der Region. Damit die Angebote gut funktionieren, braucht es genug Fachkräfte. Diese Fachkräfte zu finden ist schwer. Ein großes Problem ist der Wohnraum: Viele Mitarbeitende finden keine bezahlbare Wohnung, auch wegen der Nähe zu Salzburg. Deshalb sind Investitionen in Mitarbeiterwohnungen wichtig.

Ein weiteres großes Problem ist die Bürokratie. Viele Anträge und Förderungen dauern sehr lange. Oft vergehen Jahre, bis etwas genehmigt ist. Das bremst wichtige Projekte aus. Wimmer fordert: Es braucht einfachere Regeln, schnellere Entscheidungen und mehr Vertrauen in die Arbeit der Einrichtungen.

Wimmer sprach auch über die Pflege in der Region. Es gibt zu wenig Pflegeplätze. In den nächsten Jahren werden viele Menschen älter und brauchen mehr Pflege. Zuständigkeiten sind oft unklar, und Entscheidungen werden zu lange verschoben. Laut Wimmer sollte Politik früher handeln, damit später nicht noch größere Probleme entstehen.

Katharina Schulze sagte: Der soziale Bereich ist sehr wichtig und bleibt in Krisen oft stabil. Trotzdem werde er in Bayern nicht genug unterstützt. Besonders in den Bereichen Soziales und Kultur gab es in den letzten Jahren Kürzungen. Das macht die Arbeit in Einrichtungen schwieriger.

Schulze betonte: Es muss weniger Bürokratie geben. Viele Menschen hätten Angst, Fehler zu machen. Das führt dazu, dass niemand mutig entscheidet. Sie fordert mehr Vertrauen in Fachleute und mehr Freiheit für gute Lösungen vor Ort.

Ein wichtiger Punkt war auch das Thema Inklusion. Schulze sagte: Inklusion bedeutet nicht, dass alle Menschen immer und überall in den normalen Alltag „passen müssen“. Manche Menschen brauchen geschützte Räume, um sich gut entwickeln zu können. Einrichtungen wie Hohenfried sind deshalb wichtig. Sie sind kein Gegensatz zur Inklusion, sondern ein Teil einer vielfältigen Gesellschaft.

Nach dem Gespräch gab es einen Rundgang durch Hohenfried. Katharina Schulze besuchte Werkstätten und sprach mit Mitarbeitenden sowie mit Eltern von Kindern, die in Hohenfried leben. Der Besuch zeigte: Soziale Einrichtungen brauchen klare und verlässliche Unterstützung durch die Politik – und bessere Rahmenbedingungen.

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