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Hohenfried vor dem Neustart

Der Unternehmer Bartl Wimmer spricht erstmals detaillierter über Kredit, Umbaupläne und eine geplante Leitbilddiskussion

23.12.2025

Berchtesgadener Land – Nach einer Pressemeldung, die im November für Aufmerksamkeit sorgte (wir berichteten), äußert sich der Berchtesgadener Unternehmer Dr. Bartl Wimmer nun erstmals ausführlicher zu seinem Einstieg bei Haus Hohenfried in Bayerisch Gmain. Die soziale Einrichtung hatte zuletzt wirtschaftlich zu kämpfen. Nun soll Wimmer ab dem Jahreswechsel als ehrenamtlicher Vorstand gemeinsam mit Vorständin Laura Kaa die Stabilisierung vorantreiben. Wo investiert wird und wie es für die knapp 300 Beschäftigten weitergeht, steht dabei klar im Fokus.

Hohenfried ist einer der großen sozialen Arbeitgeber der Region. Die Einrichtung beschreibt sich als Lebens- und Arbeitsort für Menschen mit erhöhtem Assistenzbedarf, mit rund 280 Mitarbeitern und einem weitläufigen Gelände. In der Erstmeldung war von rund 150 Wohnplätzen für Erwachsene und 15 Plätzen für Kinder und Jugendliche die Rede, dazu Werkstätten, Landwirtschaft, Hofladen und Schule.

Wimmer schildert auf Nachfrage, dass er nicht aktiv in die Aufgabe herangegangen sei. „Die Fühler wurden nach mir ausgestreckt.“ Schon seit rund zwei Jahren hatte man bei Hohenfried mit karitativen Trägern gesprochen, allerdings ohne Erfolg. Im vergangenen Sommer habe sich die Lage dann zugespitzt. Wimmer gab nach eigenen Angaben eine finanzielle Überbrückung, ohne dass dafür viel Zeit blieb. „Wir hatten die Zeit gar nicht, das alles zu analysieren“, sagt er über die Situation damals. Wimmer beschreibt diesen Schritt als Übergangslösung. Der Kredit, über dessen Höhe keine Auskünfte erteilt werden, wird nach seinen Worten in einen langfristigen Kredit überführt. Gleichzeitig macht er klar, wie schwierig die Ausgangslage ist. „In der derzeitigen Situation ist Hohenfried für Bankdarlehen nicht geeignet.“ Ziel sei es deshalb, den Verein wieder darlehensfähig zu machen. Das werde kein Sprint, sondern ein langfristiger Prozess.

Organisatorisch versteht Wimmer seine Rolle bewusst nicht als operative Geschäftsführung. Laura Kaa sei die erste Vorsitzende von Hohenfried, er selbst der ehrenamtliche Vorstand. Er wolle mit seinen Möglichkeiten im Hintergrund Strukturen zur Verfügung stellen und beratend agieren, „wie ein Vereinsvorsitzender“. Dass es sich um einen gemeinnützigen Verein handelt, sei für ihn dabei ein zentraler Punkt. Gleichzeitig werde geprüft, ob die Struktur langfristig so bleibe oder ob eine gemeinnützige GmbH in Erwägung gezogen wird. Für die kommenden zwei Jahre stellt Wimmer aber eine klare Linie in Aussicht: „Es wird erst einmal so bleiben.“

Ein heikler Punkt in sozialen Einrichtungen ist die Personalfrage. Wimmer verweist darauf, dass die Mitarbeiter inzwischen in den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) überführt wurden. Das sei ein Wunsch des Bezirks gewesen. Höhere Tagessätze seien in Aussicht gestellt, und der Schritt in diesem Jahr abgeschlossen worden. An dieser Konstruktion werde nicht gerüttelt, sagt Wimmer. Arbeitgeber für die Beschäftigten bleibe Hohenfried.

Gleichzeitig richtet er den Blick auf das, was in der Behindertenhilfe am Ende über Stabilität entscheidet. „Die Wahrung eines solchen Heims ist die Belegung.“ Wenn Zimmer aus baulichen Gründen derzeit nicht belegbar seien, verliere die Einrichtung mögliche Einnahmen. Nach seinem Eindruck ist genau das ein Problem. Aus eigener Kraft sei das nicht mehr zu stemmen gewesen. Schon 10 oder 20 zusätzliche belegte Plätze könnten wirtschaftlich viel ausmachen, sagt Wimmer. Mehr Plätze bedeuten allerdings auch mehr Personal.

Und hier kommt ein zweites Thema ins Spiel, das in der Region längst bekannt ist: fehlender Wohnraum. Wimmer sagt, höhere Belegung müsse man Arbeitskräfte nicht nur gewinnen, sondern auch unterbringen können. Eigene Personalwohnungen werde man anfangs allerdings nicht bauen. Man werde zunächst versuchen anzumieten. Parallel soll ein Sanierungsfahrplan entstehen, mit Prioritäten, über Jahre hinweg. Um welche Gebäude es geht, ist dabei noch offen.

Hohenfried betont in seinem Leitbild seit Jahren den anthroposophischen Ansatz. Dort ist von Einflüssen aus Architektur, Raum- und Farbgestaltung die Rede, von Orientierung an den Jahreszeiten sowie von Ritualen und Festen. Benannt wird auch eine bewusste, weitgehend biodynamische Ernährung. Der anthroposophische Ansatz soll außerdem in pädagogischen, therapeutischen und freizeitbezogenen Angeboten sowie in Fördereinrichtungen und Werkstatt spürbar sein.

Genau an dieser Stelle kündigt Wimmer eine inhaltliche Debatte an, die über die finanzielle Situation hinausgeht. „Wir werden intern eine Leitbilddiskussion anstoßen“, sagt er. Die Frage sei, wofür Hohenfried künftig stehen will, und ausdrücklich auch: „Ist der anthroposophische Kern noch relevant?“ Seine eigene Einschätzung ist klar: „Ich glaube ja.“ Wie diese Diskussion ausgeht, dürfte für die Einrichtung ein Signal sein. Offiziell beginnt Wimmers Aufgabe erst Anfang kommenden Jahres. Bis dahin laufen Prüfungen, Planungen, Prioritätenlisten werden abgearbeitet. Die Botschaft bleibt eindeutig: Hohenfried setzt nicht auf Rückzug, sondern auf Stabilisierung und Entwicklung. Ziel ist, wieder handlungsfähig zu werden und notwendige Investitionen langfristig abzusichern.

Die Gebäude von Hohenfried gruppieren sich wie ein kleines Dorf. Ziel ist, wieder handlungsfähig zu werden. (Foto: Kilian Pfeiffer)

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